Familie M. ist Kinoprofi und so haben wir natürlich lange vorab und online die besten Plätze reserviert. Heiligabend um 12:00 Uhr nahmen wir auf den vier mittigsten Logenplätzen der ersten Reihe Platz. Natürlich, nachdem wir in üblicher Manier die Individuen von unseren Premiumplätzen verscheucht haben, diese Freisitzer, Trittbrettfahrer, elende …
48 EUR für vier Karten inklusive Mietgebühr für die 3D-Brillen sind natürlich zuviel Geld für einen Kinobesuch. Aber, meine nachfolgenden Lobeshymnen sollen das aufzeigen, die unvermeidliche Zugangsvoraussetzung für eine ganz kolossale Erfahrung.
Alle meine Befürchtungen, mir als Brillenträger würde die 3D-Brille Probleme bereiten, zerstreuten sich mit dieser großen und sehr leichten Kunststoffbrille in alle Winde. Diese neuartige Variante mit den einfarbig dunklen Gläsern passte allen gut, Kindern wie Erwachsenen, ob Brillenträger oder nicht.
Noch die alten stereoskopischen Seherlebnisse vor 20 Jahren im Sinn, nahm ich mit geringen Erwartungen meinen Kinosessel in Beschlag. Dann aber die Überraschung in den ersten Sekunden und Minuten. Keine Fehlfarben, keine halben Sachen. Der räumliche Eindruck geriet faszinierend, ja spektakulär gut.
Spielszenen oder Elemente mit geringen Abstand zum Zuseher waren wirklich zum Greifen nahe und die Passagen mit großer räumlicher Tiefe, derer die 162 Minuten Spielfilm reichlich bieten, übersteigen die Möglichkeit einer Beschreibung in Worten. Vielmehr kommt Avatar in 3D einer Bewusstseinserweiterung gleich, einem Abtauchen in etwas Wundervolles. Der Planet Pandora mit seiner einzigartig dichten Biologie, erlebt in 3D, ist kaum weniger als ein besonders schön geratener Traum. Gleichwohl ein Traum, welcher sich noch wochenlang und beliebig oft wiederholen lässt.
Überall kann man es lesen: Nach 'Titanic' zog sich Regiegott 'König der Welt' James Cameron für über zehn Jahre vom öffentlichen Leben zurück und mit nahezu unbegrenztem finanziellem und kreativen Spielraum hat er mit Avatar den aktuell teuersten Film aller Zeiten geschaffen. Gleichzeitig sicher den ersten seriösen großen 3D-Film. Denn bis auf die Schlachtenszenen werden kurze Szenen mit vielen Schnitten vermieden. Stattdessen hat man lange, wohlplatzierte und ruhige Kamerafahrten. Zur Schonung nicht nur der Hirne unserer kleinen Filmfreunde passiert das Groß aller szenischen Primärhandlungen in ungefähr derselben räumlichen Tiefe. Dieses gilt auch für die deutschen Untertitel während der Passagen, in denen die Na'vi in ihrer Heimatsprache reden.
Die Geschichte ist weit mehr, als die in vielen Verrissen fälschlich vorgenommene Kategorisierung und Verunglimpfung als Indianerfilm. Vielmehr ist es eine gelungene Mixtur aus Abenteuerfilm, endlich mal wieder guter Science-Fiction und ökologischer Morallehre.
So verbietet sich jedes weitere Eingehen auf die Handlung dieses Meisterwerkes. Die zutiefst sinnliche Erfahrung mehrerer Komponenten, und so ist Avatar in der 3D-Fassung aufzufassen, soll niemandem genommen werden.
Nur soviel: Unsere Filmvorführung wurde trotz der Überlänge ohne Pause durchgezogen und nach etwa einer Stunde musste ich zunehmend dringlich aufs Örtchen. Doch es gab keinen Moment, der es absehbar zuließ, mal kurz den Sitzplatz und somit den Planeten Pandora zu verlassen. Ja, ich habe bis zum Ende einen Blasenriss riskiert.
Wo wir schonmal auf dieser Ebene operieren: Die Na'vi Neytiri, Lehrmeisterin und spätere Frau von unserem bekehrten Marine Jake Sully, ist unglaublich sexy und auf mich wirkte ihr Wandeln im Urwald von Pandora und in ihrer minimalistischen Ureinwohner-Textilie atemberaubend obszön …
Wie lässt mich das jetzt dastehen? Bin ich gar der Einzige, der diesem Genuss fröhnen durfte?
Avatar muss in 3D erlebt werden. Der Begriff 'Film' gereicht diesem Gesamterlebnis nicht ansatzweise zur verdienten Huldigung. Seht ihn Euch unbedingt an, liebe Leute!